Betreute Bachelor & Masterarbeiten Thomas Günther

Hier finden sie abgeschlossene Bachelor & Masterarbeiten mit jeweils einem kurzem Abstract. Rückfragen beantworte ich gerne!

Therapie der Lese-Rechtschreibstörung bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung unter Einfluss von Methylphenidat – eine Einzelfallstudie

Heining, L.N. (2017)

Theoretischer Hintergrund: 20% der Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS) weisen gleichzeitig eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf. Bei Komorbidität beider Störungsbilder kommt es zu quantitativen und qualitativen Abweichungen der Symptomatik im Vergleich zur reinen LRS. Zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten wird häufig das Standardpräparat Methylphenidat (MPH) verwendet, was gleichzeitig auch eine Verbesserung des Wort- und Pseudowortlesens bewirken kann. In der Literatur findet man Hinweise darauf, dass sich durch lautes Lesen mit einem „Lesepaten“ die Lesegeschwindigkeit von Wörtern verbessern lässt. Zur Behandlung der Rechtschreibstörung hat sich das Marburger Rechtschreibtraining (MRTr) bewährt, welches neben orthographischem Regelwissen auch Lösungsstrategien in Form von Algorithmen vermittelt. Aufgrund seiner Strukturiertheit könnte das MRTr auch für LRS-Patienten mit komorbider ADHS geeignet sein.
Fragestellungen: Verbessert regelmäßiges lautes Lesen die Leseleistung und verbessert ein regelgeleitetes Training zur Mitlautverdopplung (aus dem MRTr) die Rechtschreibleistung bei einem 9,8 Jahre alten Jungen mit LRS und ADHS unter Medikation von MPH in einem Therapiezeitraum von 7 Wochen?
Methode: Bei dem Probanden wurde neben einer LRS auch eine ADHS diagnostiziert, die mit Medikinet retard (Wirkstoff MPH) 25mg 1x/d behandelt wurde. Innerhalb eines Prä-Post- Testdesigns mit Baseline wurde anhand einer umfangreichen Testung zunächst nach einer 7- wöchigen Medikationsphase und dann nach einer weiteren 7-wöchigen Therapiephase unter Medikation die Lese-Rechtschreibleistung überprüft. Die Therapie wurde 2x wöchentlich durchgeführt und beinhaltete ein „Lautlese-Verfahren“ mit der Dokumentation in einem Lesetagebuch (10 min.) und ein regelgeleitetes Training zur Mitlautverdopplung aus dem MRTr (30 min.). Zur Effektivitätssteigerung der Therapie wurden zusätzlich ein Token-System zur Belohnung und Hausaufgaben zur Wiederholung eingesetzt.
Ergebnisse: Im Lesen kommt es zu einem kontinuierlichen Anstieg der Leseleistung über die Medikations- und Therapiephase hinweg, welcher nach 16 Wochen in allen Bereichen des Lesens signifikant wird. In diesem Bereich zeigt sich ein entscheidender Einfluss der Medikation. Im Schreiben kommt es zu einer kontinuierlichen Abnahme der Fehler über beide Phasen hinweg, die nach der Therapiephase und insbesondere nach 16 Wochen signifikant wird. In diesem Bereich hat die Therapie unter Medikation entscheidend Einfluss genommen. So kann der Patient in der Nachuntersuchung die geübte Rechtschreibregel zur Mitlautverdopplung sowohl bei geübten als auch bei ungeübten Wörtern signifikant häufiger anwenden.
Diskussion: Durch den Medikationseffekt kommt es zu signifikanten Verbesserungen der Leseleistung nach 16 Wochen. Ein zusätzlicher Therapieeffekt durch regelmäßiges lautes Lesen ist hier nicht nachweisbar. Im Bereich Schreiben zeigt der Patient einen Übungs- und Generalisierungseffekt bezüglich der geübten Rechtschreibregel nach der Therapie mit dem MRTr unter Medikation. Darüber hinaus kommt es zu signifikanten Verbesserungen der Rechtschreibleistung insgesamt, insbesondere nach 16 Wochen. Hier scheint eine Kombination aus Medikation und Therapie am effektivsten zu sein. Fraglich bleibt, inwieweit die Medikation zum Therapiezeitpunkt (nach 15.00 Uhr) noch wirksam war und ob eine intensivere Therapie des Lesens unter Medikation einen zusätzlichen Effekt gehabt hätte. Möglicherweise kann ein Therapietraining mit dem MRTr bei einem Patienten mit LRS und ADHS aufgrund der Strukturiertheit des Programms auch ohne Medikation effektiv sein.

Kann semantisch-lexikalische Therapie die Lebensqualität von Demenzerkrankten in Pflegeeinrichtungen verbessern?

Fischer, J. & Männicke, M. (2017)

Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, inwiefern logopädische Therapie im semantisch- lexikalischen Bereich die Lebensqualität von dementiellen Heimbewohnern beeinflusst. Zehn dementielle Probandenwurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt, welche jeweils zwei Interventionen erhielten. Die eine Intervention enthielt eine semantisch-lexikalische Therapie, wohingegen die andere lediglich eine kommunikationsanregende Behandlung ohne logopädischen Hintergrund. Es wurde ein Cross-Over Design mit drei Messzeitpunkten durchgeführt. Beide Gruppen wurden über einen Zeitraum von vier Wochen behandelt. Jeder Proband erhielt über zwei Wochen eine semantisch-lexikalische Therapie und über zwei Wochen kommunikationsanregende Behandlung. Jeder einzelne Teilnehmer erhielt dreimal wöchentlich Therapie im Direktkontakt mit der Logopädin. In der semantisch-lexikalischen Therapie wurden Arbeitsblätter mit den Probanden bearbeitet. In der kommunikationsanregenden Therapie wurde über ein Thema der Wahl des Patienten gesprochen. Zur Überprüfung der Lebensqualität wurde der Proband mit dem WHOQOL- BREF Fragebogen befragt, da ein Zusammenhang zwischen den semantisch-lexikalischen Fähigkeiten und der Höhe an Lebensqualität vermutet wird. Die Ergebnisse der inferenzstatistischen Auswertung zeigten, dass sich die Lebensqualität der Probanden innerhalb der kommunikationsanregenden Behandlung in den drei Variablen Umwelt, Soziale Beziehung und physische Gesundheit signifikant verbessert hat. In der semantisch- lexikalischen Therapie hat sich die Umwelt signifikant verbessert. Im Vergleich der Therapien war die kommunikationsanregende Behandlung in der Entwicklung der Probanden bei der Variable Soziale Beziehung signifikant besser. Daraus folgt, dass in dieser Studie ein geringer Zusammenhang zwischen semantisch-lexikalischer Therapie und einem Anstieg der Lebensqualität bewiesen werden konnte.

Unterschiedliche Kathetergrößen – gleiche Risiken? Vergleich der Vitalparameter beim endotrachealen Absaugen von Erwachsenen

Sengupta, A. (2017)

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob beim endotrachealen Absaugen von Erwachsenen die Risiken mit einem großen und kleinen Absaugkatheter gleich sind. Der Außendurchmesser des großen Katheters verlegt dabei < 70% des Innendurchmessers der Trachealkanüle, der kleine Katheter ≤ 50%. Insgesamt wurden 10 Patienten jeweils dreimal mit den beiden unterschiedlichen Kathetern endotracheal abgesaugt. Die Sauerstoffsättigung und die Herzfrequenz wurden unmittelbar vor und nach dem Absaugen, sowie eine und drei Minuten
danach erfasst. Bei jedem Absaugprozess wurde aufgezeichnet, ob das Endotrachealsekret blutig war und/oder eine Hustenreaktion des Patienten auftrat. Die Mediane der Differenzen von den einzelnen Messzeitpunkten wurden verglichen. Beim Absaugen mit großen Kathetern stieg die Herzfrequenz im Vergleich zu kleinen Kathetern unmittelbar nach dem Absaugen bis eine Minute danach signifikant an, wobei die Mediane der Herzfrequenz noch im Normbereich lagen. Bei der Sauerstoffsättigung konnten keine signifikanten Unterschiede beobachtet werden. Das Auftreten von Husten während des Absaugens und blutigem Sekret war gleich verteilt. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass beim endotrachealen Absaugen eines Erwachsenen die Wahl der Absaugkathetergröße keine klinisch bedeutsame Auswirkung auf die Veränderung der Vitalparameter und auf die Risiken des Patienten hat.

A Validation of the QbMini as an ADHD diagnostic instrument for preschool children

Hamadache, S. (2017)

Objective: Diagnosing attention-deficit hyperactive disorder (ADHD) at an early age is beneficial for patients’ (academic) outcome. Difficulties can arise because symptoms are hard to distinguish from normal playing behaviors and focusing and sustaining attention is usually no requirement of a preschooler. The present study carried forward earlier attempts to validate the QbMini, an objective measurement tool measuring ADHD symptoms in preschoolers. Method: QbMini performances of 5-year-old-children with ADHD were systematically compared with healthy controls and children suffering other developmental disorders (mostly developmental delay of speech and language). The test was validated against two parental ratings often used in clinical practice (Child Behavior Checklist and Fremdenbeurteilungsbogen für Vorschüler mit Aufmerksamkeitsdefizit). ROC analyses were performed to compare diagnostic accuracies of the instruments. Results: The QbMini can measure ADHD symptoms and discriminate between 5-year-old children with ADHD and healthy controls (area under the curve: .899). However, its classification of children as having either ADHD or another disorder was nearby chance levels and lower than those of the CBCL or the FBB-ADHS-IV. Still, the QbMini output variables correlated with the questionnaire scores (2.42 < r < 4.39), speaking for its internal and external validity. Conclusion: Already in preschool, ADHD is associated with measurable hyperactivity and attention deficits, which can be captured by the QbMini. However, at this age, other developmental disorders also trigger tendential hyperactivity, inattention and impulsivity, making the QbMini – unlike rating scales – this far unfit for differential diagnosis, despite being able to differentiate between disordered children and healthy controls.