Betreute Bachelor & Masterarbeiten Thomas Günther

Hier finden sie abgeschlossene Bachelor & Masterarbeiten mit jeweils einem kurzem Abstract. Rückfragen beantworte ich gerne!

Assessment of attentional processes with ADHD questionnaires and computer-based tests during the transition from preschool to elementary school

Bürsgens, A. (2018)

Previous research on questionnaires to evaluate attentional processes yielded increasing inattention scores after school entry but decreasing hyperactivity and impulsivity, in healthy children as well as children with attention-deficit-hyperactivity disorder (ADHD). In the past, neuropsychological tests were never the focal point. Thus, the aim of this study was to investigate how the social context influences the results of different measures. 19 preschoolers and 19 elementary school children took part in the present study. They were all six years old and had no ADHD diagnosis. Their performance on the Quantified Behavior Test (QbTest) and the Quantified Behavior Mini Test (QbMini) as well as parents’ evaluations of their children’s attentional abilities on the questionnaire „Fremdbeurteilungsbogen für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen” (FBB- ADHS) were examined. In both assessment methods, preschoolers and elementary school children did not differ. In addition, our results revealed low to moderate correlations between the questionnaire and the computer tests. Consequently, the construct of attention differs in qualitative and quantitative methods, but these methods are not necessarily influenced by the social context. This finding suggests for clinical practice that norm data, at least of the specific tests that we used, do not have to be adapted to the social context. Further research on ADHD children is needed to find out whether affected children’s results are influenced by the transition from preschool to school.

Wie verändern sich sprachbegleitende Gesten im Alter von 18 bis 92 Jahren?

Baum, K., Bußmann, L. & Schubert, F. (2018)

Ziel der Studie war zu untersuchen, wie sich sprachbegleitende Gesten in Abhängigkeit des Alters verändern. In bisherigen Studien zeigten sich alterskorrelierende Veränderungen des Gestengebrauchs. Es wurden unterschiedliche Effekte in Bezug auf Häufigkeit und Art der verwendeten Gesten dargestellt. Es kam, je nach Fragetyp und Untersuchungssituation, zum Anstieg oder zur Abnahme der Gestenverwendung im Alter. In dieser Studie wurden Videos von 84 sprachgesunden Probanden ausgewertet. Bei den durchgeführten Interviews wurden je zwei Fragen in vier Fragekategorien (motorisch, emotional, abstrakt, visuell-vorstellbar) gestellt. In der Auswertung wurden acht Gestentypen unterschieden. Die Ergebnisse zeigen, dass unabhängig vom Alter Gesten ohne sprachlich-inhaltlichen Bezug (z.B. wiederholende rhythmische Handbewegungen) häufiger genutzt werden, als Gesten mit inhaltlichem Bezug (z.B. aktionsnachahmende Gesten) und Fragekategorien, bei denen Probanden motorische Handlung beschreiben mussten (z.B. Blumen einpflanzen), am meisten Gesten evozieren. Mit zunehmendem Alter werden insgesamt weniger Gesten verwendet. Es gibt jedoch auch andere Verläufe. Beispielsweise nehmen inhaltslose Gesten bis zum 50. Lebensjahr zu, danach wieder ab und der Anteil der inhaltslosen Gesten ist im Alter höher als bei Jüngeren. Es kommt im Laufe des physiologischen Alterungsprozesses also zu einer Verringerung des Gestengebrauchs. Diese ist je nach Gestentyp unterschiedlich ausgeprägt.

Therapie der Lese-Rechtschreibstörung bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung unter Einfluss von Methylphenidat – eine Einzelfallstudie

Heining, L.N. (2017)

Theoretischer Hintergrund: 20% der Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS) weisen gleichzeitig eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf. Bei Komorbidität beider Störungsbilder kommt es zu quantitativen und qualitativen Abweichungen der Symptomatik im Vergleich zur reinen LRS. Zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten wird häufig das Standardpräparat Methylphenidat (MPH) verwendet, was gleichzeitig auch eine Verbesserung des Wort- und Pseudowortlesens bewirken kann. In der Literatur findet man Hinweise darauf, dass sich durch lautes Lesen mit einem „Lesepaten“ die Lesegeschwindigkeit von Wörtern verbessern lässt. Zur Behandlung der Rechtschreibstörung hat sich das Marburger Rechtschreibtraining (MRTr) bewährt, welches neben orthographischem Regelwissen auch Lösungsstrategien in Form von Algorithmen vermittelt. Aufgrund seiner Strukturiertheit könnte das MRTr auch für LRS-Patienten mit komorbider ADHS geeignet sein.
Fragestellungen: Verbessert regelmäßiges lautes Lesen die Leseleistung und verbessert ein regelgeleitetes Training zur Mitlautverdopplung (aus dem MRTr) die Rechtschreibleistung bei einem 9,8 Jahre alten Jungen mit LRS und ADHS unter Medikation von MPH in einem Therapiezeitraum von 7 Wochen?
Methode: Bei dem Probanden wurde neben einer LRS auch eine ADHS diagnostiziert, die mit Medikinet retard (Wirkstoff MPH) 25mg 1x/d behandelt wurde. Innerhalb eines Prä-Post- Testdesigns mit Baseline wurde anhand einer umfangreichen Testung zunächst nach einer 7- wöchigen Medikationsphase und dann nach einer weiteren 7-wöchigen Therapiephase unter Medikation die Lese-Rechtschreibleistung überprüft. Die Therapie wurde 2x wöchentlich durchgeführt und beinhaltete ein „Lautlese-Verfahren“ mit der Dokumentation in einem Lesetagebuch (10 min.) und ein regelgeleitetes Training zur Mitlautverdopplung aus dem MRTr (30 min.). Zur Effektivitätssteigerung der Therapie wurden zusätzlich ein Token-System zur Belohnung und Hausaufgaben zur Wiederholung eingesetzt.
Ergebnisse: Im Lesen kommt es zu einem kontinuierlichen Anstieg der Leseleistung über die Medikations- und Therapiephase hinweg, welcher nach 16 Wochen in allen Bereichen des Lesens signifikant wird. In diesem Bereich zeigt sich ein entscheidender Einfluss der Medikation. Im Schreiben kommt es zu einer kontinuierlichen Abnahme der Fehler über beide Phasen hinweg, die nach der Therapiephase und insbesondere nach 16 Wochen signifikant wird. In diesem Bereich hat die Therapie unter Medikation entscheidend Einfluss genommen. So kann der Patient in der Nachuntersuchung die geübte Rechtschreibregel zur Mitlautverdopplung sowohl bei geübten als auch bei ungeübten Wörtern signifikant häufiger anwenden.
Diskussion: Durch den Medikationseffekt kommt es zu signifikanten Verbesserungen der Leseleistung nach 16 Wochen. Ein zusätzlicher Therapieeffekt durch regelmäßiges lautes Lesen ist hier nicht nachweisbar. Im Bereich Schreiben zeigt der Patient einen Übungs- und Generalisierungseffekt bezüglich der geübten Rechtschreibregel nach der Therapie mit dem MRTr unter Medikation. Darüber hinaus kommt es zu signifikanten Verbesserungen der Rechtschreibleistung insgesamt, insbesondere nach 16 Wochen. Hier scheint eine Kombination aus Medikation und Therapie am effektivsten zu sein. Fraglich bleibt, inwieweit die Medikation zum Therapiezeitpunkt (nach 15.00 Uhr) noch wirksam war und ob eine intensivere Therapie des Lesens unter Medikation einen zusätzlichen Effekt gehabt hätte. Möglicherweise kann ein Therapietraining mit dem MRTr bei einem Patienten mit LRS und ADHS aufgrund der Strukturiertheit des Programms auch ohne Medikation effektiv sein.

Kann semantisch-lexikalische Therapie die Lebensqualität von Demenzerkrankten in Pflegeeinrichtungen verbessern?

Fischer, J. & Männicke, M. (2017)

Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, inwiefern logopädische Therapie im semantisch- lexikalischen Bereich die Lebensqualität von dementiellen Heimbewohnern beeinflusst. Zehn dementielle Probandenwurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt, welche jeweils zwei Interventionen erhielten. Die eine Intervention enthielt eine semantisch-lexikalische Therapie, wohingegen die andere lediglich eine kommunikationsanregende Behandlung ohne logopädischen Hintergrund. Es wurde ein Cross-Over Design mit drei Messzeitpunkten durchgeführt. Beide Gruppen wurden über einen Zeitraum von vier Wochen behandelt. Jeder Proband erhielt über zwei Wochen eine semantisch-lexikalische Therapie und über zwei Wochen kommunikationsanregende Behandlung. Jeder einzelne Teilnehmer erhielt dreimal wöchentlich Therapie im Direktkontakt mit der Logopädin. In der semantisch-lexikalischen Therapie wurden Arbeitsblätter mit den Probanden bearbeitet. In der kommunikationsanregenden Therapie wurde über ein Thema der Wahl des Patienten gesprochen. Zur Überprüfung der Lebensqualität wurde der Proband mit dem WHOQOL- BREF Fragebogen befragt, da ein Zusammenhang zwischen den semantisch-lexikalischen Fähigkeiten und der Höhe an Lebensqualität vermutet wird. Die Ergebnisse der inferenzstatistischen Auswertung zeigten, dass sich die Lebensqualität der Probanden innerhalb der kommunikationsanregenden Behandlung in den drei Variablen Umwelt, Soziale Beziehung und physische Gesundheit signifikant verbessert hat. In der semantisch- lexikalischen Therapie hat sich die Umwelt signifikant verbessert. Im Vergleich der Therapien war die kommunikationsanregende Behandlung in der Entwicklung der Probanden bei der Variable Soziale Beziehung signifikant besser. Daraus folgt, dass in dieser Studie ein geringer Zusammenhang zwischen semantisch-lexikalischer Therapie und einem Anstieg der Lebensqualität bewiesen werden konnte.