Taktil-kinästhetische Responsivität bei dyslalischen Kindern

Debuschewitz, A. & Winkler, U. (2002)

Für die Artikulation sind zielgerichtete Mund- und Zungenbewegungen erforderlich, wobei sich dieStellungen der Artikulatoren zur korrekten Lautbildung schnell und präzise ändern müssen. ZurAbstimmung dieser komplizierten Bewegungsabläufe sind u.a. der Tast- und Berührungssinn (das taktile System) sowie das Lage- und Bewegungsempfinden (das kinästhetische System) vonBedeutung. Taktil-kinästhetische Störungen können demnach entwicklungsbedingte Artikulationsauffälligkeiten nach sich ziehen. Da Dyslalien zu den am häufigst beobachtetenStörungsbildern in der Logopädie zählen, sind neue Erkenntnisse zur taktil-kinästhetischen Wahrnehmung bei Artikulationsstörungen für Diagnostik, Therapie und Prävention unverzichtbar. Mit einem neuen Screeningsverfahren in Form eines Elternfragebogens zur Überprüfung der Taktil-Kinästhetik (DEF-TK) wurde diese Sinnesmodalität bei Kindern mit Aussprachestörungen von unterschiedlichem Ausmaß hinterfragt und Intergruppenvergleiche angestellt. Hierzu wurden Kinderaus Regelkindergärten im Alter von 3;6 bis 6;0 Jahren bzgl. ihrer artikulatorischen Leistungenuntersucht und dementsprechend in die Gruppen „artikulatorisch unauffällig“, „partiell dyslalisch“ und„multipel dyslalisch“ eingeteilt. Daraufhin wurden die einzelnen Gruppen in den verschiedenenBereichen der taktil-kinästhetischen Wahrnehmung anhand von Mittelwertvergleichen auf signifikanteUnterschiede statistisch untersucht. Es zeigte sich, dass die Gruppe partieller Dyslaliker, diegrößtenteils aus Kindern mit Sigmatismus interdentalis besteht, in ihrem Tastempfinden eher zur Hyposensibilität neigt. Demgegenüber tendieren die multiplen Dyslaliker im Mundraum zurHypersensibilität und zeigen zusätzlich im kinästhetischen Bereich signifikant häufigerSchwierigkeiten.

Phonologische & Phonetische Aussprachstörungen: Eine Therapieeffektstudie.

Frontczak, D., Hansen, M., Nießen, S., & Sondermann, E. (2002)

Aus dem aktuellen Forschungsstand und aus praktischen Erfahrungen geht hervor, dass dem linguistischen Teilbereich der Phonologie und seinen Störungen im deutschsprachigen Raum noch zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dementsprechend werden phonologischen Störungen häufig noch mit der traditionellen Dyslalietherapie behandelt. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird der Effekt der klassischen Artikulationstherapie nach Charles van Ri-per bei phonetisch und phonologisch aussprachegestörten Kindern untersucht und verglichen. Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, anhand der Ergebnisse dieses Vergleichs, eine Qualitätsverbesserung im Bereich der Therapie bei kindlichen Aussprachestörungen, insbesondere phonologischer Art zu leisten. Um dieses Ziel zu erreichen wurde eine umfangreiche Literaturstudie durchgeführt, welche die theoretische Basis für die anschließende empirische Untersuchung bildete. Innerhalb dieser Untersuchung wurden 31 Kinder im Alter von 3;9 – 8;2 Jahren hinsichtlich ihrer Aussprache mittels der LOGO Ausspracheprüfung und einer eigens für diese Studie entwickelten Lautprüfung diagnostiziert und analysiert. Auf Grundlage der klassischen Artikulationstherapie nach Charles van Riper wurde ein Therapieplan erstellt, der insgesamt zehn Behandlungsstunden inklusive Vor- und Nachmessung umfasst. Die Kinder wurden anhand dieses Therapieplans in drei logopädischen Praxen und vier Kindergärten bzw. Kindertagesstätten behandelt. Mit Hilfe von statistischen Analyseverfahren wurden die Daten der Vor- und der Nachmessung mit-einander verglichen und somit die Ergebnisse herausgearbeitet. Die zentrale Aussage der Datenanalyse bestätigt unsere Forschungshypothese: Die klassische Artikulationstherapie ist für phonetische Aussprachestörungen bei Kindern durchaus geeignet. Sie wird jedoch den Kindern, die Schwierigkeiten in der systematischen Anwendung des Lautsystems haben, nicht gerecht. Abschließend werden die Forschungsergebnisse mit der bestehenden Literatur verglichen und kritisch diskutiert.