Wie verändern sich sprachbegleitende Gesten im Alter von 18 bis 92 Jahren?

Baum, K., Bußmann, L. & Schubert, F. (2018)

Ziel der Studie war zu untersuchen, wie sich sprachbegleitende Gesten in Abhängigkeit des Alters verändern. In bisherigen Studien zeigten sich alterskorrelierende Veränderungen des Gestengebrauchs. Es wurden unterschiedliche Effekte in Bezug auf Häufigkeit und Art der verwendeten Gesten dargestellt. Es kam, je nach Fragetyp und Untersuchungssituation, zum Anstieg oder zur Abnahme der Gestenverwendung im Alter. In dieser Studie wurden Videos von 84 sprachgesunden Probanden ausgewertet. Bei den durchgeführten Interviews wurden je zwei Fragen in vier Fragekategorien (motorisch, emotional, abstrakt, visuell-vorstellbar) gestellt. In der Auswertung wurden acht Gestentypen unterschieden. Die Ergebnisse zeigen, dass unabhängig vom Alter Gesten ohne sprachlich-inhaltlichen Bezug (z.B. wiederholende rhythmische Handbewegungen) häufiger genutzt werden, als Gesten mit inhaltlichem Bezug (z.B. aktionsnachahmende Gesten) und Fragekategorien, bei denen Probanden motorische Handlung beschreiben mussten (z.B. Blumen einpflanzen), am meisten Gesten evozieren. Mit zunehmendem Alter werden insgesamt weniger Gesten verwendet. Es gibt jedoch auch andere Verläufe. Beispielsweise nehmen inhaltslose Gesten bis zum 50. Lebensjahr zu, danach wieder ab und der Anteil der inhaltslosen Gesten ist im Alter höher als bei Jüngeren. Es kommt im Laufe des physiologischen Alterungsprozesses also zu einer Verringerung des Gestengebrauchs. Diese ist je nach Gestentyp unterschiedlich ausgeprägt.

Hohe häusliche Übungsfrequenz mit einer Sprachtherapie-App - Multiple Einzelfallstudie mit Aphasiepatienten

Joosten, R. & Raven, A. (2017)

Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, inwieweit die häusliche Übungsfrequenz bei Aphasiepatienten durch Verwendung einer Sprachtherapie-App erhöht werden kann. Sechs Aphasiepatienten in der postakuten oder chronischen Phase wurden über einen Zeitraum von sechs Wochen störungsspezifisch behandelt. Jeder Proband erhielt einen wöchentlichen Direktkontakt mit einer Logopädin. Drei Probanden bekamen für ihre therapeutischen Hausaufgaben Zugang zu einer Sprachtherapie-App auf einem Tablet. Die drei Probanden in der Kontrollgruppe erhielten die Hausaufgaben klassisch in Papierform. Alle Probanden wurden angeleitet, so oft wie möglich zu üben. Der Einsatz einer Sprachtherapie-App führte bei den Aphasiepatienten zu einer höheren wöchentlichen Übungsfrequenz und einer höheren wöchentlichen Gesamtübungsdauer. Durchschnittlich trainierte jeder Proband 4,7 Einheiten pro Woche mit der App wohingegen in der Kontrollgruppe nur 3,2 Einheiten pro Woche geübt wurde. Zudem trainierten die Probanden mit der Sprachtherapie-App häufiger ohne Unterstützung von Angehörigen. Jedoch zeigten sich in dem sechswöchigen Therapieintervall keine signifikanten Unterschiede in der Auswirkung auf die getesteten sprachlichen Bereiche (Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben). Zusammenfassend erhöht der Einsatz einer Sprachtherapie-App die Motivation und damit die häusliche Übungsfrequenz im Rahmen therapeutischer Hausaufgaben. Zudem ermöglicht der App-Einsatz den Probanden eigenständiges Üben.

Geschlechterunterschiede der sprachlichen Symptomatik und Komorbiditäten bei akuter Aphasie Eine retrospektive

Schiefelbein, G. & Meutsch, H. (2016)

Die Geschlechterunterschiede bei Aphasie sind in Bezug auf die sprachliche Symptomatik und die Komorbiditäten wenig erforscht. Insbesondere über akute Aphasien gibt es diesbezüglich wenige Studien. Ziel dieser retrospektiven Studie war es, den Einfluss von Geschlecht und komorbiden Erkrankungen auf die sprachliche Symptomatik zu untersuchen. Dafür wurden von 427 Patienten aus dem Helios Universitätsklinikum in Wuppertal die Aphasie-Check-Listen (ACL) und weitere patientenbezogene Faktoren analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen in den sprachlichen Domänen: Automatisierte Sprache, Benennen, Schriftsprache, Nachsprechen und Spontansprache bessere Ergebnisse erzielten als Männer. Darüber hinaus zeigten sich signifikante Interaktionen zwischen einzelnen Untertests und Komorbiditäten. Es wurde festgestellt, dass Männern mit Krankheiten des Verdauungssystems in den sprachlichen Bereichen Automatisierte Sprache, Benennen, Schriftsprache, Nachsprechen und Spontansprache bessere Leistungen erbringen als Frauen. Ebenso zeigen die Diagnosen „Neubildungen“, „Krankheiten des Auges und des Augenanhangsgebilde“, „Krankheiten des Kreislaufsystems“, „Faktoren die den Gesundheitsstatus beeinflussen“, „Psychische- und Verhaltensstörungen“, „Symptome und abnorme Laborbefunde“, „Angeborene Fehlbildungen“ und „Ernährungs-und Stoffwechselkrankheiten“ einen geschlechtsabhängigen Zusammenhang mit Sprache. Durch das Wissen der geschlechterspezifischen Unterschiede bei akuter Aphasie ist eine Versorgung und Therapie besser möglich.

Effektivität eines intensiven Trainings des auditiven und visuellen Sprachverständnisses bei einem Patienten mit globaler Aphasie

Zilles, B. (2016)

Die Globale Aphasie ist sowohl gekennzeichnet durch Beeinträchtigungen des Sprachverständnisses als auch durch Beeinträchtigungen in den expressiven Sprachleistungen. Stachowiak et al. (1977) beschrieben, dass sich das Sprachverständnis im Bereich der alltäglichen Kommunikation im Vergleich zu den expressiven Leistungen eher verbessert. Denes et al. (1996) zeigten, dass von den Patienten mit globaler Aphasie sich die signifikant verbesserten, die ein intensives Training erhielten. Die Behandlung von sprachlichen Beeinträchtigungen wird häufig durch eine begleitende Sprechapraxie zusätzlich erschwert. Daher ist es besonders wichtig, die individuelle Symptomatik in der Therapieplanung zu beachten (Aichert & Ziegler, 2008). In einigen Studien konnte festgestellt werden, dass Patienten im Verständnis von reversiblen Deklarativsätzen signifikant schlechtere Leistungen zeigten (Burchert et al.,2003; Burchert & De Bleser, 2004). Studienteilnehmer waren jedoch in der Regel Patienten mit einer Broca-Aphasie, bei denen vorausgesetzt wurde, dass sie bei irreversiblen Sätzen kaum Fehler zeigen würden. Die vorliegende Studie befasst sich aus diesem Grunde mit irreversiblen Sätzen bei einem Patienten mit Globaler Aphasie.
Ziel: Durch diese Einzelfallstudie soll belegt werden, dass sich das Sprachverständnis eines Patienten mit globaler Aphasie durch eine intensive Therapie mit alltagsrelevanten, hochfrequenten und irreversiblen Sätzen verbessert.
Der Patient JB (69 Jahre), männlich, Rechtshänder, Muttersprache: deutsch, verheiratet, ein Kind, berentet, erlitt einen ausgeprägten Mediainfarkt links aufgrund eines linksventrikulären Spitzenthrombus nach einem Vorderwandinfarkt. Dieser wurde mit Lyse- Therapie behandelt. Der Beginn der Einzelfallstudie erfolgte Monate post-onset (post- akute Phase)Vortestungen waren der AAT (Huber et al., 1983), LeMo (De Bleser et al., 2004) und das TASA-Material (Müller-Heidelberg et al., 2004). Differentialdiagnostisch: orientierende Einschätzung mittels SpAT (Lorenz, 2012) die zeigte, dass die Realisation der lautrelevanten bukkofazialen Bewegungen für den Patienten nicht möglich waren. Das TASA-Material wurde in jeweils zehn Übungs- und zehn Kontrollsätze eingeteilt. Die Behandlung erfolgte an zehn aufeinanderfolgenden Werktagen à 45 min Therapie. Jeder Ziel- und Ablenkersatz wurde in der Therapiephase mindestens zweimal als Zielsatz genutzt. Die Reihenfolge wurde vor der Therapiephase festgelegt. Die Hilfen waren: Zielsatz wiederholen, Schlüsselwörter erarbeiten, mithilfe von Fragekarten “Wer?” macht “Was?” Aufgabentypen: 1.) Auditives Satz-Bild zuordnen 2.) Visuelles Schrift-Bild zuordnen 3.) Auditive Stimulusvorgabe danach Schrift-Bild zuordnen.
Signifikante Verbesserungen im auditiven und visuellen Sprachverständnis. Im Auditiven Satz-Bild Zuordnen jedoch nur bei ungeübten Items, wobei eine deutliche Verbesserung auch bei den Geübten stattgefunden hat. In der auditiven Stimulusvorgabe und anschließendem Schrift-Bild Zuordnen ergaben sich signifikante Ergebnisse sowohl bei geübten als auch ungeübten Items. Des Weiteren zeigten sich signifikante Verbesserungen im LeMo Untertest „Diskriminieren Wortpaare auditiv“.
nsgesamt konnten signifikante Verbesserungen im auditiven und visuellen Sprachverständnis erzielt werden jedoch keine signifikanten Verbesserungen im visuellen Diskriminieren der Wortpaare, Lexikalischen Entscheiden sowie im visuellen Schrift-Bild zuordnen. Ursächlich hierfür könnte das Itemmaterial sein, welches noch deutlich umfangreicher ausgebaut werden sollte, ebenso wie ein eventueller Einbau unterschiedlicher Ablenker, da sich die Ablenkerstruktur zu den LeMo-Untertests unterschied. Auch die Anzahl an Therapieeinheiten sollte erhöht werden. Ein anschließender Follow-up zur genauen Beurteilung des Transfers wäre ebenfalls sinnvoll.

Evaluation der Anwendbarkeit des computergestützten Aphasieprogrammes 'Fleppo' - eine multiple Einzelfallstudie

Blauth, A.S. & Fuhrmann, L. (2012)

Um eine logopädische Therapie bezüglich der Intensität zu unterstützen, wurden computergestützte Therapieprogramme entwickelt. Da eine gute Anwendbarkeit eines solchen Programmes von großer Bedeutung für den Patienten ist, war das Ziel dieser Studie das Programm Fleppo bezüglich der Anwendbarkeit bei aphasischen Patienten zu untersuchen. Hierzu wurde eine multiple Einzelfallstudie mit sieben Probanden mit einer Aphasie durchgeführt, die nach einer Einführung in das Programm zwei Wochen selbstständig damit üben sollten. Am Ende wurde die Anwendbarkeit des Programms mittels eines Fragebogens, eines semistrukturierten Interviews und einer Beobachtung ermittelt. Die Ergebnisse zeigten, dass körperliche Einschränkungen und sprachliche Probleme nur geringe Erschwernisse im Umgang mit dem Programm bewirken. Erfahrungen mit Computern und das Alter der Probanden jedoch große Auswirkungen auf die Anwendbarkeit von Fleppo aufwiesen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass das computergestützte Therapieprogramm 'Fleppo' dahingehend optimiert wird, dass auch unerfahrene Nutzer und Nutzer hohen Alters das Programm selbstständig bedienen können.

Verbesserung der partnerschaftlichen Beziehung durch Angehörigenberatung bei Aphasie - Eine qualitative, multiple Einzelfallstudie

Grigo, T. & Treichel, L. (2012)

Das Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob eine Angehörigenberatung zum Thema Aphasie die Belastung der pflegenden Partner von Patienten mit Aphasie verringert. In der Angehörigenberatung wurden drei Partnerinnen über das Störungsbild Aphasie, den kommunikativen Umgang, die Gefühle des Betroffenen, häusliche Übungen und Selbstschutz des Partners informiert. Zuvor füllten die Teilnehmer einen selbst erstellten Fragebogen zur Erkennung des Belastungsstandes und einen Stresstest aus. Ein bis zwei Wochen nach der Veranstaltung wurden die Teilnehmer telefonisch oder persönlich kontaktiert und die Inhalte der Beratung evaluiert. Dabei wurde ein qualitatives Interview durchgeführt, welches sich auf die Auswertung der zuvor ausgefüllten Fragebögen stützte. Die Ergebnisse der Studie ergaben, dass sich die Partner mit Aphasie psychisch, körperlich, sozial und emotional belastet fühlten. Durch die kurze Anwendbarkeit der Inhalte der einmaligen Angehörigenberatung konnte sich die Kommunikation nicht verbessern und die Belastung der pflegenden Partner nicht verringern. Schlussfolgernd ergab die Studie, dass sich pflegende Angehörige in der chronischen Phase ihres Partners mit Aphasie Beratung hinsichtlich des Störungsbildes und der Kommunikation wünschen. Diese sollte theoretische sowie praktische Elemente beinhalten.

Therapie des verbalen Arbeitsgedächtnisses bei Aphasie mit Wortabrufstörungen: eine Therapieeffektstudie

Storm, P.L. & Lübke, A. (2012)

Menschen mit Aphasie zeigen Symptome, die auch mit Modellen außerhalb der Sprachdomäne erklärt werden können. So wird das Phänomen der Wortabrufstörung auch als neuropsychologisches Defizit im Bereich des verbalen Arbeitsgedächtnisses beschrieben. Sowohl funktionell als auch neuroanatomisch gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Sprache und Arbeitsgedächtnis. Daher wurde in dieser Studie der Einfluss einer Therapie des verbalen Arbeitsgedächtnisses bei Patienten mit Wortabrufstörungen untersucht. Dafür wurden fünf Probanden mit chronischer Aphasie und Wortabrufstörungen jeweils drei Wochen viermal wöchentlich à 45 Minuten mit einerseits einer semantisch-phonologischen Benenntherapie und andererseits mit spezifischen das Arbeitsgedächtnis beanspruchenden Aufgaben behandelt. An drei Messmomenten wurden die Benennleistungen trainierter als auch untrainierter Items überprüft sowie weitere sprachliche Leistungen mit spezifischen LeMo-Untertests (Lexikon modellorientiert) und die Wortabrufstörungen in der Spontansprache. Es zeigten sich deutliche Leistungsverbesserungen beider Therapien beim Benennen trainierter und untrainierter Items. Die Therapie des verbalen Arbeitsgedächtnisses zeigte Verbesserungen bei der Wortfindung in der Spontansprache. Im Vergleich zur reinen Sprachtherapie wurden nach der Gedächtnistherapie beim „Diskriminieren von Neologismenpaaren“ und beim mündlichen Benennen im LeMo bessere Werte erzielt. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass ein therapeutischer Fokus auf das verbale Arbeitsgedächtnis den Wortabruf ebenfalls verbessert. Der Transfer in die Spontansprache scheint durch die Therapie des verbalen Arbeitsgedächtnisses erfolgreicher zu sein.

Therapieeffektstudie bei Aphasie mit Wortabrufstörungen: Ein Methodenvergleich von phonologischer vs. semantisch-phonologischer Therapie

Laiko, J., Fischer, B. / Kramer, M. (2011)

Wortabrufstörungen gehören zu den häufigsten und gravierendsten Symptomen bei Aphasie. Sie führen zu erheblichen Einschränkungen in der alltäglichen Kommunikation. Im Bereich der Wortabrufstörung haben sich zwei Therapiemethoden bewährt, die phonologische und die semantische. Unabhängig von der funktionalen Störung können bei beiden Therapiearten positive Effekte auftreten, die den Wortabruf verbessern und stabilisieren. Forschungsergebnisse belegen, dass Patienten von der semantischen Therapiemethode, auch bei gut erhaltener Semantik, stärker profitieren, da sie sich günstig auf die Verbindung zum lexikalischen Output auswirkt und so zu stabileren Ergebnissen führen kann. Da aber bei Patienten mit gut erhaltener Semantik im klinischen Alltag oft mit phonologischen Therapieansätzen gearbeitet wird, werden diese positiven Effekte einer semantischen Therapie vernachlässigt. Aus diesem Grunde wurde in dieser Studie eine gekoppelte Therapie (semantisch-phonologische Therapiemethode) zum Bildbenennen durchgeführt. An der Studie nahmen 5 Patienten mit Aphasie im Alter zwischen 32 und 87 Jahren teil, die alle einen deutlichen Störungsschwerpunkt im Bereich des Wortabrufs aufwiesen. Es wurde ein siebenwöchiges gekreuztes Therapiedesign vorgenommen. Vor und nach der Therapie wurden sprachliche Fähigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen erhoben, um Effekte auf Einzelwortebene und Spontansprache nachweisen zu können. Die Fragestellung hierbei war, ob die gekoppelte Therapiemethode zu besseren Erfolgen im Wortabruf führt als die phonologische Therapiemethode.

Die Auswirkung des SOCRATES-Chats auf die schriftsprachliche Kommunikation bei Patienten mit chronischer Aphasie

Niepelt, R. & Müller, A. (2011)

Aphasie ist eine neurologische Sprach- und Sprechstörung, die verschiedene Modalitäten betreffen kann. Es können Sprache, Sprachverständnis, Lesen und Schreiben beeinträchtigt sein. Ziel dieser Studie ist es, den Einfluss des SOCRATES-Chats auf die schriftsprachliche Kommunikation, somit die sprachliche Korrektheit im Schriftbild bei Patienten mit chronischer Aphasie zu untersuchen. Es wurde von einem Einfluss der Benutzerdauer auf die sprachliche Korrektheit ausgegangen. Aus diesem Grund wurden Chatprotokolle von fünf Probanden hinsichtlich verschiedener Analyseparameter, zu zwei Messzeitpunkten, im Abstand von zwei Jahren untersucht. Analysiert wurde auf Satzebene hinsichtlich der Länge der Beiträge und der satz- bzw. nicht-satzwertigen Beiträge. Ebenfalls wurden auf der Wort- und Buchstabenebene schreibmotorische Fehler und Phonem-Graphem-Fehler untersucht. Auf der Satzebene wurde festgestellt, dass satzwertige Beiträge im Verlauf abnehmen und nicht-satzwertige Beiträge zunehmen. Die Länge der Beiträge hat sich nicht verändert. Auch auf Wort- und Buchstabenebene ergaben sich keine signifikanten Ergebnisse. Die Anzahl der Fehler war zu beiden Messzeitpunkten sehr gering. Insgesamt zeigte sich, dass das Chatten keinen Einfluss auf die linguistischen Fähigkeiten und somit die geschriebene sprachliche Korrektheit bei chronisch aphasischen Patienten hat.

Effekt des Aphasieprogramms Action auf den Wortschatz bei Vorschulkindern mit spezifischen Sprachentwicklungsstörungen

Greven, M. & Fegers, S. (2010)

Es wurde untersucht, ob das Aphasieprogramm Action bei Kindern mit spezifischer Sprachentwicklungsstörung (SSES) den Verbwortschatz verbessert. 14 Kinder zwischen 3,1 und 5,4 Jahren mit Defiziten im Bereich des Lexikons und der Morphologie wurden in einem ‘crossover design’ therapiert. Die Kinder erhielten jeweils 24 Therapien, in denen insgesamt 60 Verben angeboten wurden. Die erst erlernten Verben sollten als Infinitive in vorgegebene Sätze eingebettet und anschließend in diesen konjugiert werden. Zuletzt mussten Sätze frei mit der richtigen Verbform produziert werden. Nach einer Eingangsdiagnostik wurden die Kinder gematcht und in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt zuerst Therapie und dann eine drei monatige Therapiepause. Die zweite Gruppe erhielt zuerst die Pause und dann die Therapie. Die lexikalischen und morphologischen Fähigkeiten der Kinder wurden durch drei Messungen untersucht. Bei Gruppe eins fand jeweils eine Messung vor und nach der Therapie, sowie nach der Pause statt. Bei Gruppe zwei fanden die Messungen vor Pause und Therapie, sowie nach der Therapie statt. Die Ergebnisse werden in der Präsentation vorgestellt und diskutiert.

Einfluss von Störungen des Gedächtnisses und der visuell-räumlichen Wahrnehmung auf den Therapieerfolg bei Patienten mit Aphasie

Kalf, L. (2010)

Häufig sind bei Patienten mit einer Aphasie auch Hirnareale geschädigt, die bei Funktionen des Gedächtnisses und der visuell-räumlichen Wahrnehmung eine Rolle spielen. Aus diesem Grunde wurde in dieser Studie untersucht, ob bei Patienten mit Aphasie Störungen des Gedächtnisses und der visuell-räumlichen Fähigkeiten Einfluss auf den logopädischen Therapieerfolg haben. An der Studie nahmen 80 Probanden zwischen 30 und 72 Jahren teil, die alle eine siebenwöchige sprachtherapeutische Intensivtherapie im Aachener Universitätsklinikum erhielten. Um die sprachliche Verbesserung zu messen, wurde vor und nach der Therapie der Aachener Aphasietest abgenommen. Zudem wurde in einer neuropsychologischen Untersuchung verschiedene Testverfahren abgenommen, um die Fähigkeiten des Gedächtnisses und der visuell-räumlichen Wahrnehmung zu erfassen. Es wurde überprüft, ob ein Zusammenhang zwischen den Defiziten in den neuropsychologischen Testverfahren und dem Therapieerfolg besteht.

ScreeLing zur Diagnostik von akuten Aphasien: Pilotstudie für den deutschsprachigen Raum

Burg, I. & Leise, D. (2009)

Seit einigen Jahren vollzieht sich in der Aphasietherapie der Wandel vom Syndromansatz zum modellorientierten Einzelfallansatz. Auf Letzterem basiert das Diagnostik-Instrument Lexikon Modellorientiert (LeMo). Der im Jahr 2002 in den Niederlanden entwickelte ScreeLing ist eine 15-minütige Kurzform des LeMos, ein ökonomisches Aphasiescreening für die Akutphase. Er weist eine gute Handhabung am Bett des Patienten sowie ein schnelles und einfaches Bewertungssystem auf und kann bei einer breiten Patientengruppe, unter anderem hinsichtlich des Alters und Schweregrades, angewendet werden. Im Gegensatz zu anderen Diagnostik-Instrumenten, wie dem Aachener Aphasie Bedside Test (AABT), Bielefelder Aphasie Screening (BIAS), Aphasie Schnell Test (AST) oder der Aphasie-Check-Liste (ACL), basiert er auf dem Logogenmodell und beinhaltet die Untertests Semantik, Phonologie und Syntax. Dadurch liefert der ScreeLing in kurzer Zeit wichtige Informationen für eine individuell abgestimmte logopädische Intervention. Inhalt dieser Bachelorarbeit war die Erstellung der ersten deutschen ScreeLing-Version. Im Rahmen einer Pilotstudie im Small‘N’Design wurde diese bei fünf Patienten der Aphasiestation des Universitätsklinikums Aachen getestet. Im Anschluss wurden die ScreeLing-Ergebnisse untereinander und mit den jeweiligen LeMo- und AAT-Resultaten abgeglichen. Auf dieser Grundlage konnten die Items und Untertests überprüft und gegebenenfalls
Überarbeitungsvorschläge entwickelt werden. Die Auswertung ergab, dass an der deutschen ScreeLing-Version nur geringe Veränderungen vorgenommen werden müssen und große Übereinstimmungen mit den LeMo- und AAT-Ergebnissen vorliegen. Wenn diese Resultate durch Folgestudien mit einer größeren Probandenanzahl verifiziert werden, könnte der ScreeLing als Kurzversion des LeMos im deutschsprachigen Raum zur Aphasiediagnostik in der Akutphase eingesetzt werden.

Realisation von Tempus- und Kongruenzstrukturen im deutschen Agrammatismus

Haakmeester, L. & Kleiser, N. (2007)

Die Entwicklung der „Tree Pruning Hypothesis“ (TPH) gab Anstoß für die Entwicklung diverserlinguistischer Theorien zur Erklärung des Agrammatismus an Hand des syntaktischen Baums.Studien zum deutschen Agrammatismus stützten die Annahmen der TPH nicht. Innerhalb dieserStudien wurden neue Theorien entwickelt, die „Tense Underspecification Hypothesis“ (TUH)sowie die „Tense-Agreement Underspecification Hypothesis“ (TAUH). Ziel der vorliegendenStudie war, die Tempus- und Kongruenzmerkmale im deutschen syntaktischen Baum zuüberprüfen und wenn möglich an eine der drei Theorien zu relatieren. Es wurde angenommen,dass die TAUH den deutschen Agrammatismus am besten erklärt. Hierzu wurden elf Probandenmit Broca-Aphasie mittels Satzergänzungsaufgaben und Grammatikalitätsbeurteilungsaufgabengetestet. Innerhalb der Satzergänzungsaufgaben wurden keine eindeutigen Leistungsunterschiedegefunden. Bei der Grammatikalitätsbeurteilung war Kongruenz durchgängig besser als Tempus.Da in der vorliegenden Studie keine einseitigen Leistungsdissoziationen gefunden wurden, konntedie feste hierarchische Organisation von Tempus und Kongruenz im syntaktischen Baum nichtbestätigt werden. Die Ergebnisse sprechen für die Annahmen der TAUH. Weitere Studien sinderforderlich, um ein klares und einheitliches Bild des Agrammatismus zu formen.

Kommunikationsverhalten von Aphasikern im SOCRATES-CHAT

Leuschner, B. & Steinmetz, K. (2007)

Diese Bachelorarbeit befasste sich mit dem Gebrauch von Begrüssung, Verabschiedungund der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte im Verhältnis zu inhaltlichen Beiträgen imSOCRATES- CHAT für Menschen mit Aphasie und Sprechapraxie. Es sollte dabeiuntersucht werden, ob die Chatbeiträge eine eher phatische (Beiträge zurAufrechterhaltung sozialer Kontakte), wie für allgemeine Chats bereits herausgefundenwurde, oder thematische Bedeutung für die User haben. Des Weiteren wurde untersucht,welche Begrüssungen und Verabschiedungen am häufigsten verwendet wurden, umdiese Ergebnisse in der Therapie nutzen zu können. Hierzu wurden die Chatprotokolleder fünf aktivsten Chatter der Monate Januar, Februar und März der Jahre 2004 und2007 herangezogen und miteinander verglichen. Jedem einzelnen Beitrag wurde eineder Kategorien „Begrüssung“, „Verabschiedung“, „phatischer Gesprächsbeitrag“ oder„Thema“ zugewiesen. Aus den Resultaten war ersichtlich, dass die Gespräche imSOCRATES-CHAT einen hohen thematischen Anteil haben. Dieses Ergebnis ist imJahr 2004 sowie im Jahr 2007 zu beobachten. Im Hinblick auf die Begrüssungen undVerabschiedungen wurde herausgefunden, dass im SOCRATES-CHAT, genau wie inallgemeinen Chats, die Begrüssungen und Verabschiedungen „Hallo“, „Hi“ „Tschüss“,„Bis…“ und „Ciao“ verwendet werden. Anhand dieser Ergebnisse ist zu sagen, dass dieGesprächsbeiträge im SOCRATES-CHAT einen hohen thematischen und geringenphatischen Anteil haben.

"Tree Pruning Hypothese" - Einzelfallstudie bei einem deutsch - russischen APhasiker mit Agrammatismus.

Hohnen, S. & Kleinen, S. (2007)

Die „Tree Pruning Hypothese“(TPH) untersucht die linguistischen Grundlagen von Agrammatismus. Sie beschreibt eine selektive Störung der Syntax bei Agrammatismus. Weiterhin besagt die TPH, dass nicht alle grammatikalischen Funktionen gleichermaßen gestört sind, sondern das die Störung abhängig ist von ihrem Schwierigkeitsgrad und somit stärker oder schwächer gestört sein kann. Die TPH widerlegt die konservative Definition von Agrammatismus, die von der Homogenität der Störung ausgeht. Es befassten sich in den letzten Jahren viele Studien mit der Verifizierung der TPH. Die Fragestellung dieser Studie lautet: „Ist die TPH bei einem deutsch-russischen Aphasiker für beide Sprachen gültig?“ Bei einem bilingualen Aphasiker könnten in jeder Sprache andere funktionale Kategorien gestört sein. Anhand einer Einzelfallstudie wurde die Gültigkeit der TPH untersucht. Mit Hilfe eines Sprachtests, der die grammatikalischen Funktionen abhängig von ihrem Schwierigkeitsgrad misst, wurden die syntaktischen Fähigkeiten eines deutsch-russischen Aphasikers mit Agrammatismus untersucht. Es zeigte sich, dass nur im Deutschen ein signifikanter Leistungsunterschied zwischen den grammatikalischen Funktionen Tense & Agreement besteht. Somit konnte die Gültigkeit der TPH bei einem deutsch-russischen Aphasiker nicht nachgewiesen werden.

Der selbstständige Gebrauch des elektronischen Hilfsmittels B.A.Bar in der Aphasietherpie - Eine Einzelfalluntersuchung

Seidler, V. (2006)

Elektronische Hilfsmittel mit Sprachausgabe können bei Aphasie eingesetzt werden umKommunikation zu unterstützen, aber auch um Wortfindungsstörungen zu behandeln. EineHauptfrage auf dem Gebiet der Unterstützten Kommunikation ist, ob diese Hilfsmittelsprachersetzend oder sprachbegleitend sind. Wird ein elektronisches Hilfsmittel alsSprachtrainingshilfe verwendet, stellt sich die Frage nach der Effektivität. Das elektronischeHilfsmittel B.A.Bar ist ein Gerät mit Sprachausgabe, welches gesprochene Spracheaufnehmen, speichern und wiedergeben kann.Im Rahmen dieser Einzelfalluntersuchung wurde B.A.Bar bei der Beschreibung vonSituations- und Handlungsbildern als Hilfe angeboten. Bezüglich der Verwendungsweise desGerätes wurden keine Hinweise gegeben. Der Patient wurde stimuliert, eigeneGebrauchsstrategien zu entwickeln. Die Behandlung wurde im Hinblick auf den Gebrauch vonB.A.Bar und die Benennleistungen im Wortabruf ausgewertet.Aus den Ergebnissen kann geschlossen werden, dass B.A.Bar sprachbegleitend verwendet wirdund einen positiven Einfluss auf die Benennleistungen ausübte.

Die "Tree Pruning Hypothese": Agrammatismus bei bilingualer Aphasie

Köhler, S. & Tißen, A. (2005)

Friedmann & Grodzinsky formulierten 1997 die „Tree Pruning Hypothesis” (TPH). Die TPHbeschreibt eine selektive Störung der Syntax bei Agrammatismus. Desweiteren geht sie davonaus, dass das Ausmaß dieser Störungen voraussagbar ist, nicht alle grammatikalischenFunktionen sind gleichermaßen beeinträchtigt, sondern abhängig vom Schwierigkeitsgradstärker oder schwächer gestört. Die Hypothese bricht folglich mit der konservativenDefinition des Agrammatismus, die von der Homogenität der Störung ausgeht.In den letzten Jahren war die Verifizierung der TPH Gegenstand zahlreicher Studien. Allediese Studien untersuchten allerdings nur Aphasiker, die einsprachig waren.Die Fragestellung dieser Studie beschäftigt sich nun damit, ob die „Tree Pruning Hypothesis“(TPH) auch in beiden Sprachen eines bilingualen Aphasikers mit Agrammatismus gültig ist.Denn bei bilingualen Aphasikern könnte es möglich sein, dass in jeder Sprache anderefunktionale Kategorien beeinträchtigt sind. Die Gültigkeit der TPH bei einem bilingualenAphasiker wurde in einer Einzelfallstudie untersucht. Mittels eines Sprachtestes, der diegrammatikalischen Funktionen abhängig von ihrem Schwierigkeitsgrad misst, wurden diesyntaktischen Fähigkeiten eines deutsch-luxemburgisch sprachigem Broca-Aphasikeruntersucht.Die Resultate zeigen pro Sprache einen signifikanten Leistungsunterschied in dengrammatikalischen Funktionen, aber auch der Vergleich zwischen den Sprachen zeigt einensignifikanten Unterschied der Leistungen.Zusammenfassend kann man sagen, dass die gefundenen Resultate für eine Verifizierung derTPH bei einem bilingualen Aphasiker sprechen.

Agraphie-Theorie und Praxis

Bönneken, B. & Heinen, A. (2001)

Arbeitsgedächtnisprobleme bei Broca-Patienten

Coumont, S., Löhrer, M., Mingers, A., & Poschen, A. (2000)