Landold: Ein validiertes Lese-Paradigma zur Erfassung kindlicher Blickbewegungen auf sprachfreier Ebene

Zschornak, A. & Zeschmann, B. (2008)

In direkten Vergleichsstudien zum Lesen konnte gezeigt werden, dass Dyslektiker im Gegensatz zu gesunden Lesern auffällige Blickbewegungen aufweisen. Die Entdeckung dieses Phänomens führte in der Blickbewegungsforschung zu der generellen Fragestellung, ob die veränderten Blickbewegungen die Folge oder aber die Ursache von Dyslexie darstellen. Des Weiteren stellte sich die Frage, welche Rolle die visuelle Aufmerksamkeit in Bezug auf den Leseprozess spielt. Aufgrund methodologischer Einschränkungen war es bisher nicht möglich, Blickbewegungen während des Lesens ohne Einfluss lexikalischer Information zu untersuchen, um dadurch eine Antwort auf diese Schlüsselfragen zu erhalten. Das Ziel der vorliegenden Studie bestand deshalb in der Entwicklung und anschließenden Validierung eines Paradigmas, welches auf nicht-lexikalischer Ebene die typischen Blickbewegungen von Kindern beim Lesen funktional äquivalent repräsentiert. Aus diesem Grund wurden zwei Paradigmen entwickelt, die jeweils aus einer Reihe offener und geschlossener Landolt-Ringe bestehen, wie sie in der Optik verwendet werden. Während die Probanden beim Lesen des Landolt-1-Paradigmas auf offene Ringe reagieren sollten, erhielten die Probanden bei der Durchführung des Landolt-2-Paradigmas die Aufgabe auf Items zu reagieren, die vollständig aus geschlossenen Ringen bestanden. Dazu wurden 44 Kinder der dritten und vierten Klasse in zwei Gruppen eingeteilt, die jeweils eine Version des Paradigmas „lasen“. Während der Durchführung der Landolt-Aufgabe wurden Blickbewegungen der Probanden mit Hilfe einer Hochgeschwindigkeits-Kamera aufgezeichnet und anschließend in einem Validierungsverfahren mit denen einer normalen Leseaufgabe verglichen. Die Datenanalyse bezog sich sowohl auf räumliche als auch auf zeitliche Blickbewegungsparameter. Aus dieser
ergab sich, dass beide entwickelten Paradigmen prinzipiell geeignet sind, die Blickbewegungen beim Lesen adäquat zu repräsentieren. Ein Vergleich der Daten zeigte jedoch, dass das Landolt-1-Paradigma hinsichtlich zeitlicher und räumlicher Parameter insgesamt besser geeignet ist, kindliche Blickbewegungen beim Lesen auf sprachfreier Ebene funktional äquivalent widerzuspiegeln.

Zusammenhang von Aufmerksamkeit und LRS - Longitudinalstudie zur Überprüfung von Prädiktoren und Ursachen

Schebben, A. (2008)

In der vorliegenden Untersuchung wird der Zusammenhang von Lese- Rechtschreibstörungen und verschiedenen Komponenten der Aufmerksamkeit überprüft. Zudem werden mögliche Prädiktoren mit den Defiziten im Lesen und Schreiben in Verbindung gesetzt. Um den Zusammenhang zu klären und mögliche Prädiktoren zu identifizieren, wurde eine Längsschnittstudie vom Kindergarten bis zum vierten Schuljahr durchgeführt. 200 Kinder wurden im Vorschulalter auf Lese- Rechtschreibvoraussetzungen geprüft. Im zweiten Schuljahr wurden 130 Kinder mit Lese- Rechtschreibtests und einem non-verbalen Intelligenzscreening nachuntersucht. Im vierten Schuljahr wurden schließlich die 18 auffälligsten Kinder (Lesen und Schreiben im zweiten Schuljahr) mit Lese- Rechtschreibtests und einer Aufmerksamkeitsprüfung getestet. Es zeigte sich, dass ein Zusammenhang zwischen den Fähigkeiten im Lesen und Schreiben und den unterschiedlichen Aufmerksamkeitskomponenten besteht. Außerdem wurde deutlich, dass nicht nur sprachliche Prädiktoren eine entscheidende Rolle beim Schriftspracherwerb spielen, sondern dass nichtsprachliche und kognitive Fähigkeiten ebenso bedeutsam sind.

Entwicklungsbedingter Effekt von Farbe im Vorschulalter beim Benennen

Ehlert, J. (2008)

Diese Studie konzentriert sich auf den entwicklungsbedingten Effekt von Farbe beim Benennen und untersucht den quantitativen Aspekt der Benennfähigkeit von Vorschulkindern. Frühere Studien zeigen, dass Farbe die Geschwindigkeit des Benennens beeinflusst. Dies jedoch in Abhängigkeit vom Entwicklungsalter und Wortschatzniveau der Kinder. Dabei wurden farbige Zeichnungen signifikant schneller benannt als schwarz weiße Zeichnungen. In dieser Studie wurden 60 Kinder im Alter von 4;1 bis 6;11 mit einer mündlichen Benennaufgabe geprüft, wobei sie Nomen benannten. Dabei wurden farbige und graustufige Fotos verwendet. Die Auswirkungen von Farbe auf das Benennen wurden anhand der Benenngeschwindigkeit untersucht. Während der Untersuchung wurden semantische und lexikalische Fähigkeiten der kindlichen Probanden überprüft. Die Ergebnisse der Benennaufgabe zeigten auf, dass die Benenngeschwindigkeit signifikant durch Alter und Farbe beeinflusst wird. Demnach werden farbige Bilder schneller benannt als graustufige Bilder, wobei die Benenngeschwindigkeit mit ansteigendem Alter zunimmt.

Der Einfluss von Aufmerksamkeitsprozessen beim Lesen und Schreiben bei Kindern mit Entwicklungsdyslexie, mit ADHS und mit Entwicklungsdyslexie und ADHS

Kreuser, S. & Zywczok, R. (2008)

Neben den sprachlich und phonologisch basierten Ursachentheorien bei Entwicklungsdyslexie haben auch Aufmerksamkeitsprozesse einen Einfluss auf das Lesen und Schreiben. Ein Hinweis darauf ist, dass 15 bis 40% der Kinder mit einer Entwicklungsdyslexie zudem ein Aufmerksamkeits-Defizit/ Hyperaktivitäts Syndrom (ADHS) und 25 bis 40% der Kinder mit einem ADHS eine Entwicklungsdyslexie aufweisen. Ziel dieser Studie war es daher, den Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Aufmerksamkeitsprozessen und dem Lesen und Schreiben genauer zu untersuchen. Insgesamt wurden 53 Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, verteilt in 4 Gruppen, untersucht: Kinder mit einer Entwicklungsdyslexie, Kinder mit einem ADHS und Kinder mit einer Entwicklungsdyslexie und komorbidem ADHS. Zudem wurde eine Gruppe Kontrollprobanden untersucht. Alle Kinder erhielten neben einer Lese- und Rechtschreibdiagnostik eine modellgeleitete Untersuchung von verschiedenen Aufmerksamkeitsprozessen. Die Ergebnisse der Studie haben zeigen können, dass Dyslexie mehr ist als eine reine Sprachstörung. Das schlechte Abschneiden der Kinder mit Dyslexie in den Aufmerksamkeitstests könnte ein Indikator dafür sein, dass verschiedene Aufmerksamkeitskomponeneten in engem Zusammenhang mit den Lese- Rechtschreibleistungen von dyslektischen Kindern stehen. Weiterhin kann festgehalten werden, dass die Leistungen der Kinder mit ADHS und Dyslexie mit den Lese- Rechtschreibleistungen der Dyslektiker und den Leistungen der Kinder mit ADHS bezüglich der Aufmerksamkeitstests zu vergleichen sind.

Effektivität des Kontingenzmanagements bei Grundschülern mit phonetischer Störung und ADHS

Keller, K.L., Klingner, M. & Laven, P. (2008)

Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob eine Ergänzung der Artikulationstherapie mit Kontingenzmanagement auch bei Kindern mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) effektiv ist. An der Studie nahmen 18 Schulkinder im Alter von 6;04 bis 8;09 Jahren mit einer phonetischen Störung des Lautes /s/ teil. Neun Kinder hatten komorbid ein ADHS, wohingegen Kinder aus der zweiten Gruppe kein ADHS hatten. Alle Kinder erhielten eine Vormessung, acht Therapiesitzungen nach dem Konzept von Charles van Riper und eine Nachmessung direkt im Anschluss an die Therapie. Zudem wurde eine zweite Nachmessung nach einmonatiger Therapiepause durchgeführt um zu überprüfen, inwieweit ein Transfer des Erlernten in die Spontansprache stattfindet. Alle Kinder bildeten nach acht Therapieeinheiten den Ziellaut korrekt auf Satzniveau. Sowohl die Kinder mit als auch ohne ADHS haben sich nach acht Therapien signifikant verbessert. Da jedoch kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen in der Effektivität der Behandlung nachgewiesen werden konnte, ist die Anwendung des Kontingenzmanagements bei Kindern mit ADHS ebenso effektiv wie bei Kindern ohne ADHS. Im Gegensatz zu Kindern im Vorschulalter, konnte ein Transfer des Erlernten in die Spontansprache nach der einmonatigen Therapiepause in keiner der beiden Gruppen nachgewiesen werden. Hieraus lässt sich schließen, dass mit zunehmendem Alter die Automatisierung eines neu erlernten Artikulationsmusters schwieriger ist.

Aachener Sprachanalyse (ASPA): Sprachentwicklungsdiagnostik bei Kindern im Alter von 2 bi 6 Jahren mit Hilfe von linguistischen Basisparametern?

Balduin, N. & Banach, B. (2008)

Die Analyse der Spontansprache ist in der Sprachentwicklungsdiagnostik von großer Bedeutung. Es gibt jedoch bis zum jetzigen Zeitpunkt kein geeignetes Analyseverfahren, das kindliche Spontansprache anhand von linguistischen Basisparametern quantitativ beschreibt und zugleich praxistauglich ist. Mit der Aachener Sprachanalyse (ASPA) ist ein computerunterstütztes Instrument entwickelt worden, mit dessen Hilfe sich die spontane Sprache anhand von linguistischen Basisparametern analysieren lässt. Dieses Verfahren ist für aphasische Spontansprache entwickelt und normiert worden, nicht aber für Kindersprache. ASPA ermöglicht es dem Untersucher, auch kleinste Veränderungen in der Spontansprache auf zeitsparende Weise sensitiv zu erfassen und stellt demnach ein wichtiges Instrument in der Therapieevaluation dar. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde untersucht welche linguistischen Basisparameter eine Aussage über die kindliche Sprachentwicklung treffen können. Ferner wurde überprüft, inwiefern sich die untersuchten Basisparameter altersabhängig verbessern. Zu diesem Zweck wurde die Spontansprache von 24 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren erhoben und mit Hilfe von ASPA transkribiert und ausgewählte Parameter analysiert. Es zeigte sich, dass fast alle untersuchten Parameter alterssensitiv sind. Demnach kann ASPA als quantitatives Analyseverfahren in der Sprachentwicklungsdiagnostik ergänzend eingesetzt werden. Allerdings ist eine weitere qualitative Untersuchung erforderlich um differenzierte Aussagen über den kindlichen Entwicklungsstand treffen zu können.

Validierung einer sprachfreien Lese-Aufgabe mit Blickbewegungen

von Overheidt, A.C. (2008)

Die direkte Untersuchung visueller Informationsverarbeitung, Aufmerksamkeit und Okulomotorik während des Lesens wurde bisher dadurch erschwert, dass Leser mit einer Dyslexie, aufgrund ihrer Probleme in der sprachlichen Verarbeitung von Texten, immer auch Auffälligkeiten in den beobachteten Blickbewegungen haben. Eine Nicht-Leseaufgabe ist für das Lesen aber nur dann von unmittelbarer Relevanz, wenn man zeigen kann, dass die geprüften okulomotorischen Anforderungen mit den beim Lesen geforderten identisch oder funktional äquivalent sind. Mit so einer Aufgabe wird es möglich, genau zu untersuchen, ob abweichende Blickbewegungen im Rahmen einer Dyslexie die Ursache oder die Folge einer Lesestörung sind. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, ein Paradigma zu validieren, mit dem das okulomotorische Verhalten des Lesens in einer sprachfreien Aufgabe simuliert werden kann. Dieses Landoldt-Paradigma wurde bei 10 Kindern aus der 3. und 4. Klasse überprüft. Anschließend fand ein Vergleich der Blickbewegungen des Landoldt-Paradigmas mit den Blickbewegungen einer echten Leseaufgabe statt. In diese Analyse gingen der räumliche Parameter Landeposition und die zeitlichen Parameter Fixationsdauer, Blickzeit und Gesamtlesezeit mit ein. Signifikante Veränderungen zwischen dem Lesen und der Landoldtaufgabe ergaben sich nur bei der Gesamtlesezeit, was durch einen verminderten lexikalischen Aufwand bei der Landoldtaufgabe erklärbar ist. Daraus kann man schließen, dass die Landoldtaufgabe das Lesen qualitativ äquivalent abbildet.

Vergleich von vier Varianten der Spontansprachanalyse zur Diagnostik kindlicher Aussprachestörungen

Frank, A. & Schlett, T. (2008)

Die Spontansprachanalyse ist ein bewährtes Verfahren zur Analyse kindlicher Aussprachestörungen. Aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden ist die Durchführung jedoch individuell und die Auswertung nicht ausreichend reliabel. Das Ziel dieser Studie war, den Einfluss der spontansprachlichen Erhebungsmethode auf die Ausprägung einer kindlichen Aussprachestörung zu begutachten. Dazu wurden insgesamt 22 Kinder zwischen 4,2 und 6,10 Jahren mit einer Aussprachestörung untersucht. Die Diagnostik erfolgte über die Nacherzählung eines Märchens, die Beschreibung einer Bildergeschichte, die Durchführung eines Rollenspiels und eines Benenntestes. Zur Ermittlung des Schweregrades der Aussprachestörung wurde das objektive Verfahren des „Prozentsatzes korrekter Konsonanten“ (PCC) sowie der PCC für früh, mittel und spät erworbene Konsonanten je Testvariante errechnet. Dieser ergab insgesamt einen signifikanten Unterschied, der sich insbesondere zwischen der Bildergeschichte und dem Benenntest äußerte. Weiterhin wurden die Erhebungsmethoden mit der „Aachener Sprachanalyse“ (ASPA) analysiert, um jede Erhebungsmethode hinsichtlich ihrer Wortvariabilität verschiedener Wortklassen und ihrer Phrasenvollständigkeit zu untersuchen. Mit ASPA konnte bewiesen werden, dass die Erhebungsmethoden sich bezüglich aller Parameter signifikant voneinander unterscheiden und somit ein differenziertes Bild von alltäglicher Spontansprache repräsentieren. Schlussfolgernd kann festgestellt werden, dass die Variante der Spontansprachanalyse die Ausprägung der Aussprachestörung beeinflusst. Die Bildergeschichte misst die Beeinträchtigung der Aussprache im Alltag am Authentischsten. Der Benenntest gibt das umfangreichste Bild einer Aussprachestörung wieder.

Identifikation der Lese- und Rechtschreibleistungen von Risikokindern im Vorschulalter - Eine Studie zur prädiktiven Validität

Mäder, P. & Schoo, F. (2008)

Eine Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) ist unabdingbar, um die schwerwiegenden Folgen durch eine frühe Förderung mindern oder sogar vermeiden zu können. Die bestehenden Diagnostikverfahren im deutschsprachigen Raum zur Selektion von Risikokindern im Vorschulalter, die eine LRS entwickeln können, sind nicht ausreichend prädiktiv valide. Zudem ist ein Problem, dass die meisten dieser Diagnostikverfahren ausschließlich sprachlich basiert oder auf die phonologischen Fähigkeiten ausgerichtet sind. Ziel dieser Bachelorarbeit war es zu überprüfen, welche Verfahren im Vorschulalter mit großer Wahrscheinlichkeit Schwierigkeiten im Lese- und Rechtschreiberwerb vorhersagen. Dazu wurden 200 Kinder im Vorschulalter mit 25 unterschiedlichen Verfahren untersucht. Neben sprachlichen Untersuchungen wurden auch Verfahren wie Auge-Hand-Koordination oder Paar-Assoziationslernen abgenommen. Von diesen Kindern wurden 153 in der zweiten Klasse mit dem Weingartener Rechtschreibtest 1+ sowie den Untertests des Salzburger Lese- und Rechtschreibtests untersucht. Gute Prädiktoren für die Bestimmung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten wurden über Regressionsmodelle selektiert. Als besonders prädiktiv erwiesen sich fünf Subtests. Diese kognitiven Bereiche haben eine gute Vorhersagekraft für die späteren Lese- und Rechtschreibleistungen und ermöglichen somit eine frühe Förderung beim Auftreten einer LRS.

The Developmental Differences of Auditory and Visual Attention in Children

Saghraoui, H. (2008)

Although attention is a long researched phenomenon, the development of attention and differences between auditory and visual attention are not fully understood. Within this study we investigated the behavioural development of alertness, vigilance, selective and focussed attention and the differences between the auditory and visual attention. Due to all tasks it was shown that the older the subjects the better the performances. Furthermore there was early development stabilization within both alertness and vigilance tasks, late stabilization saw seen within the selective and focussed tasks of attention. The most tasks showed discrepancies between the visual and auditory attention task, whereby better performance were seen in the visual tasks.